Geschichte des Festivals

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Der Prager Frühling ist ein Phänomen. Er hat alle geschichtlichen und politischen Umbrüche überstanden, ebenso Veränderungen des Geschmacks unddramatische kulturelle Einschnitte. Er hat dies alles überdauert, weil es zu allen Zeiten genügend Zuhörer gab, die wahre künstlerische Qualität zu schätzen und zu genießen verstanden.
Václav Klaus, Präsident der Tschechischen Republik

Die Gründung des Festivals

Als Prag und zusammen mit der Stadt die gesamte Tschechoslowakei im Jahre 1946 den ersten Jahrestag der Beendigung des zweiten Weltkrieges feierte, wurde zeitgleich mit den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Gründung der Tschechischen Philharmonie das Internationale Musikfestival Prager Frühling geboren.

In seiner Entstehung vereinten sich die langjährigen, fast siebzig Jahre andauernden Bemühungen der Prager Musiköffentlichkeit einschließlich der der deutschsprachigen Minderheit um die Veranstaltung alljährlicher Musikfestspiele unter Beteiligung herausragender Solisten und führender Orchester aus der ganzen Welt.

An deren Anfängen standen in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts die Opernzyklen des Prager Neuen Deutschen Theaters, die von 1900 bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges unter der Bezeichnung Mai-Festspiele veranstaltet wurden, als zu den ursprünglich nur Opernvorstellungen auch Schauspielinsze­nierungen und Konzerte hinzu kamen. Zwischenzeitlich schloss sich dieser Initiative mit eigenen Opernzyklen tschechischer Komponisten auch das Nationaltheater an, und im Frühjahr 1904 fand das erste denkwürdige Tschechische Musikfestival statt, an dem sich auch die Tschechische Philharmonie beteiligte.

In den Zwischenkrieg­sjahren fanden ähnlich großzügige Musikfestspiele unter Beteiligung ausländischer Künstler in Prag dreimal unter der Schirmherrschaft der Internationalen Gesellschaft für zeitgenössische Musik (ISCM) statt. In der bewegten Zeit des NS-Protektorats lebten die Bemühungen um die Ausrichtung eines regelmäßigen Festivals in Form Prager musikalischer Mai-Feste unter dem Dirigenten Václav Talich wieder auf.

An der Wiege der eigentlichen Geschichte des Prager Frühlings stand im ersten Nachkriegsjahr ein weiterer großer tschechischer Dirigent, der künstlerische Leiter der Tschechischen Philharmonie, Rafael Kubelík. Von Anfang an wurde diese Initiative auf bei der tschechischen kulturellen Öffentlichkeit und der politischen Repräsentanz positiv aufgenommen, was sich auch darin zeigte, dass der Präsident der Tschechoslowa­kischen Republik Edvard Beneš die Schirmherrschaft über dieses Festival übernahm, der in seinem Grußwort schrieb:

„Ich begrüße den Gedanken, ein internationales Musikfestival zu veranstalten, das nach den schweren Kriegsjahren viele kreative und ausführende Künstler aus den Ländern unserer Verbündeten und Freunde nach Prag führen wird, und ich wünsche dieser bedeutenden künstlerischen Manifestation volles Gelingen.“

Seit dem ersten Jahrgang bis heute finden somit die Festivaljahrgänge des Prager Frühlings stets mit Unterstützung der höchsten Staatsorgane statt.

Die Welt auf dem Prager Frühling

Neben der tschechischen Musik und ihrer nationalen Klassiker (Bedřich Smetana, Antonín Dvořák und Leoš Janáček) legten die ersten Festivaljahrgänge natürlich Wert auf die Musik und die Repräsentanten der vier Siegermächte der Antihitlerkoa­lition. Zusammen mit Künstlern aus den Vereinigten Staaten von Amerika (auf dem Prager Frühling feierte in den Jahren 1946 und 1947 der später berühmte Dirigent Leonard Bernstein sein internationales Debüt), Großbritannien und Frankreich traten auf dem Festival von Beginn an auch herausragende Solisten, Sänger und Dirigenten aus der damaligen Sowjetunion auf.

Berühmte Debüts und der Wettbewerb des Prager Frühlings

Neben dem Violinvirtuosen David Oistrach, der in der Musikwelt bereits einen Namen hatte, kamen aus Russland alljährlich auch Vertreter der nachrückenden Musikjugend nach Prag, die gerade in der Konkurrenz mit ihren Kollegen aus anderen Ländern auf dem Prager Frühling ihre Feuertaufe erhielten. Zu den bedeutendsten gehörten der phänomenale Pianist Swjatoslaw Richter und der Violoncellist Mstislaw Rostropowitsch, der Sieger des internationalen Wettbewerbs junger Talente, der bereits seit dem zweiten Festivaljahrgang 1947 Teil des Festivals ist.

Das Festival Prager Frühling ist seit 1957 Gründungsmit­glied der Weltföderation internationaler Musikwettbewerbe mit Sitz in Genf. Gerade die Erfolge, die Dutzende dieser jungen Musiker in den Wettbewerben des Prager Frühlings erreichten, wurden zu Prüfsteinen ihres künstlerischen Reifeprozesses und gaben in der Regel den Startschuss für ihre Karriere auch in anderen Ländern der Welt.

Antonín Matzner

Mehr zu berühmten Künstlern, die auf dem Festival auftraten, erfahren Sie im Artikel Berühmte Gäste.