Gründung und Geschichte des Wettbewerbs
Die Idee, einen internationalen Musikwettbewerb im Rahmen des Festivals Prager Frühling zu veranstalten, kam Rafael Kubelík zusammen mit Mitgliedern der Tschechischen Philharmonie im Jahre 1946. Noch im selben Jahr wurden die Bedingungen für einen Violinenwettbewerb um den Jan-Kubelík-Preis ausgeschrieben. Der erste fand im Mai 1947 im Rahmen des Internationalen Musikfestivals Prager Frühling statt. Den Ehrenvorsitz des Wettbewerbs übernahm Jan Masaryk, der Außenminister.
Für den Gewinner des Wettbewerbs wurde ein Preis ausgelobt:
Ein Auftritt auf dem Abschlusskonzert des Festivals Prager Frühling 1947 am 28. Mai mit dem Orchester der Tschechischen Philharmonie unter der Leitung von Rafael Kubelík, auf eigenen Wunsch kann der Sieger auf einer Stradivari Emporer aus dem Nachlass von Jan Kubelík spielen.
Leider entschloss sich die strenge Jury, keinem der Bewerber einen Preis zu verleihen, und so fiel der Auftritt weg. Trotz allem ist dieser Preis – ein Auftritt auf dem Festival Prager Frühling – zu einer Tradition geworden.
In den nächsten Jahrgängen wurden dann bereits Preise vergeben, und so „entdeckte“ der Wettbewerb des Prager Frühlings Dutzende herausragende Künstlerpersönlichkeiten für die internationalen Bühnen. Zu den ersten Preisträgern des Violinenwettbewerbs gehören Igor Bezrodny, Viktor Pikajsen und Alan Loveday, 1950 dann die Violoncellisten Mstislaw Rostropowitsch und Daniil Shafran sowie das Smetana-Quartett, das mit diesem Erfolg seine langjährige künstlerische Laufbahn eröffnete.
Im Laufe der Zeit dehnte man den Wettbewerb auf 16 Wettbewerbsbereiche aus, es handelt sich um einen Wettbewerb mit einer sehr komplizierten Struktur: er findet jedes Jahr statt, in mehreren Fächern, und jedes Jahr ist das Programm anders zusammengestellt. Der Wettbewerb Prager Frühling gehört heute zu den weltweit anerkannten Musikwettbewerben, und zwar nicht nur, weil hier viele Künstler ihre künstlerische Laufbahn begannen (zu den Preisträgern gehören auch James Galway, Maurice Bourgue, Natalia Gutman, Natalia Shakhovskaya, Boris Pergamenschikow, Jan Panenka, Michel Becquet, Bernard Soustrot, Jean-Louis Capezzali, Philippe Cuper, Dagmar Pecková, Štefan Margita u. a.),sondern auch, weil er einer der Gründungsmitglieder der Weltföderation der Musikwettbewerbe (WFIMC) in Genf war. Diese Föderation eint um die einhundert Wettbewerbsorganisationen, doch nur wenige von ihnen veranstalten jedes Jahr Ausscheide in mehreren Kategorien.
Art und Verlauf des Wettbewerbs
Mit der Zeit erweiterte sich der Wettbewerb auf 16 Wettbewerbsdisziplinen, er gehört vom Typ her zu denen mit einer äußerst schwierigen Struktur: er findet jedes Jahr statt, wird in mehreren Fächern veranstaltet und ist jedes Jahr anders zusammengesetzt.
Die einzelnen Fächer (in der Regel 2 pro Jahr) wechseln in bestimmten Zyklen, die die ständige Wettbewerbskommission festlegt. Der Wettbewerb findet immer Anfang Mai statt, und zwar so, dass die Finalrunde schon Bestandteil des Festivals Prager Frühling ist, dessen Eröffnungskonzert am 12. Mai stattfindet. Dieses Experiment hat sich sehr bewährt, und zwar nicht nur, weil der Wettbewerb dadurch für die Kandidaten attraktiver geworden ist, von denen die Besten die Möglichkeit haben, vor dem Festivalpublikum aufzutreten, sondern auch wegen des verstärkten Interesses der Öffentlichkeit. Diese Konzerte finden im Dvořák-Saal des Rudolfinums statt und sind in der Regel ausverkauft.
Die Jurys
Die Jury besteht normalerweise aus sieben Mitgliedern, die tschechischen Jurymitglieder sind in der Minderzahl. Sie besteht aus herausragenden Künstlern aus der ganzen Welt (nur stichprobenartig sollen hier genannt werden - David Oistrach, Václav Holzknecht, Karel Pravoslav Sádlo, Paul Tortelier, Jean-Pierre Rampal, Alois Hába, Hans Haselböck, Wolfgang Schneiderhan, Angelica May, Josef Suk, Philip Jones, Rudolf Firkušný, Lasar Berman, Václav Neumann, Rafael Kubelík, Jorma Panula), die das Renommee des Wettbewerbs Prager Frühling heben.
Kompositionsaufträge für den Wettbewerb
Seit 1994 ist es auch Tradition, dass der Prager Frühling für jedes Fach eine Pflichtkomposition eines bedeutenden tschechischen Komponisten ansetzt (Karel Husa, Petr Eben, Otmar Mácha, Ivana Loudová, Viktor Kalabis u. a.) und so die Verbreitung der tschechischen zeitgenössischen Musik unterstützt.
Preise und Konzertauftritte
Der Wettbewerb findet bereits mehrere Jahre unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Hauptstadt Prag statt, deshalb findet die feierliche Preisverleihung in seiner Anwesenheit am 15. Mai im Brožík-Saal des Altstädter Rathauses statt. Die Preisträger erhalten neben den Hauptgeldpreisen (insgesamt Kč 700.000,-) Preise verschiedener Institutionen (z. B. Stiftung Tschechischer Musikfonds, Stiftung Život umělce (Künstlerleben), Gideon-Klein-Stiftung , Bohuslav-Martinů-Stiftung, Mahler-Gesellschaft, Antonín-Dvořák-Gesellschaft, Verlag Bärenreiter, Tschechischer Rundfunk, Galerie Miro, Moser usw.).
Auch das Angebot an honorierten Konzertauftritten bei verschiedenen internationalen Festivals und im Rahmen von Abonnentenzyklen tschechischer und ausländischer Orchester ist reich gefächert. Sehr verlockend für die Kandidaten ist der Auftritt beim nächsten Jahrgang des Festivals Prager Frühling.
